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Steht der Irak am Rande seiner bedeutendsten geopolitischen Veränderung der letzten Jahre?

Steht der Irak am Rande seiner bedeutendsten geopolitischen Veränderung der letzten Jahre?

101 finance101 finance2026/01/12 16:51
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Von:101 finance

Chevron wird zum Schlüsselfaktor im Wandel des irakischen Ölsektors

Nachdem das irakische Ölministerium führenden US-Energiekonzernen exklusive Einladungen zur Entwicklung des riesigen Ölfelds West Qurna 2 ausgesprochen hat – nachdem Russlands Lukoil zum Rückzug gezwungen wurde – hat sich Chevron als Hauptkandidat positioniert. Dieser Übergang soll nach einer vorübergehenden Verstaatlichung des Feldes erfolgen, um die Förderung während des Ausstiegs von Lukoil aufrechtzuerhalten. Chevron wird zudem das Nasiriyah-Projekt vorantreiben, das vier Explorationsblöcke in der Provinz Dhi Qar sowie das Balad-Ölfeld in der Provinz Salah al-Din umfasst. Darüber hinaus bereiten Chevron und Quantum Energy Partners Berichten zufolge ein gemeinsames Angebot für die auf etwa 22 Milliarden US-Dollar geschätzten Auslandsvermögenswerte von Lukoil vor, eine Initiative, die durch die jüngste Verschärfung der US-Sanktionen ausgelöst wurde. Diese Entwicklungen werfen die Frage auf: Schwenkt der Irak nun endgültig zurück zu den USA und deren westlichen Verbündeten und distanziert sich von Russland, China, Iran und deren Partnern?

Sanktionen öffnen westlichen Ölkonzernen die Türen

Die erneute Chance für Chevron und andere westliche Unternehmen im Irak ist eine direkte Folge einer strategischen Eskalation der Sanktionen durch die USA, Großbritannien und die EU. Im Oktober letzten Jahres verhängten die USA neue Beschränkungen gegen Russlands zwei größte Ölproduzenten – Lukoil und Rosneft – sowie gegen alle Unternehmen, an denen diese die Mehrheitsanteile halten. Gemeinsam exportieren diese Konzerne etwa 3,1 Millionen Barrel Öl pro Tag – eine entscheidende Einnahmequelle für Russlands anhaltenden Konflikt in der Ukraine. Kurz nach Inkrafttreten dieser Sanktionen gab Lukoil seine Beteiligungen im Irak auf, darunter das bedeutende Feld West Qurna 2 – ein Schritt, der von einem hochrangigen US-Finanzministerberater als Wendepunkt im Kampf gegen russischen und chinesischen Einfluss im Irak bezeichnet wurde. Rosneft folgte daraufhin, indem der Anteil an der Kurdistan Pipeline Company von 60 % auf 49 % reduziert wurde – ein Signal für einen umfassenderen Rückzug.

Auswirkungen der Sanktionen und sich verändernde Allianzen

Die schnelle Reaktion der führenden russischen Ölkonzerne unterstreicht, wie ernst Moskau diese Sanktionen nimmt – eine Botschaft, die vermutlich auch in Peking registriert wurde. Laut einem leitenden Berater von Trump haben die zwischen den Präsidentschaftsperioden gewonnenen Erkenntnisse zu wirksameren Strategien geführt, die nun umgesetzt werden. Die neuesten Sanktionen, die auch andere russische und chinesische Unternehmen im Irak betreffen, sind Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, das vom Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums durchgesetzt wird. Dies stellt eine erhebliche Verschärfung gegenüber früheren Sanktionen dar, die sich auf kleinere russische Unternehmen konzentrierten. Die EU hat diese Maßnahmen nachgezogen, zuletzt mit ihrem 19. Sanktionspaket, das neue Beschränkungen gegen Russlands sogenannte „Schattenflotte“ enthielt, mit der Embargos umgangen werden. Zum ersten Mal zielte die EU auch auf Russlands Flüssigerdgassektor (LNG) ab, nachdem sie sich zuvor verpflichtet hatte, alle russischen Gasimporte bis Januar 2027 einzustellen – ein Jahr früher als geplant.

Hintergrund: Russlands und Chinas wachsender Einfluss im Irak

Vor der jüngsten Sanktionswelle des Westens haben Russland und China ihre Präsenz im Irak und im weiteren Nahen Osten stetig ausgebaut. Nachdem die USA Ende 2021 ihre Kampfmission im Irak beendet hatten, beschleunigte China die Übernahme von Ölfeldern im Süden, während Russland durch Rosneft und Lukoil seine Position sowohl im Norden als auch im Süden des Irak festigte. Infolgedessen kontrollieren chinesische Unternehmen nun direkt etwa 24 Milliarden Barrel der irakischen Reserven und sind für eine Produktion von rund 3 Millionen Barrel pro Tag verantwortlich – das entspricht mehr als einem Drittel der nachgewiesenen Reserven und zwei Dritteln der aktuellen Förderung des Landes. Gleichzeitig wurden US- und alliierte Kräfte im Irak zunehmend zum Ziel von Angriffen durch iranisch unterstützte Milizen, oftmals mit Rückendeckung aus Russland und China. Die Korruption im irakischen Öl- und Gassektor erschwerte die Lage zusätzlich und veranlasste mehrere westliche Unternehmen – darunter ExxonMobil, Chevron, BP, Shell, TotalEnergies und ENI – ihre Aktivitäten zu reduzieren oder sich ganz zurückzuziehen.

Geopolitische Interessen und strategische Bedeutung

Die Strategie von Russland und China war eindeutig: Durch das Zurückdrängen westlicher Unternehmen sollte Iran mehr Raum zur Ausweitung seines regionalen Einflusses erhalten und so die Position der USA, Großbritanniens, der EU und ihrer Golf-Verbündeten geschwächt werden. Ein ranghoher Kreml-Vertreter sagte einst, dass der Ausschluss des Westens aus dem irakischen Energiesektor das Ende der westlichen Dominanz im Nahen Osten bedeuten würde. Im Gegensatz dazu sind die USA und ihre Partner überzeugt, dass eine Loslösung des Irak von Iran sowohl Teheran als auch dessen Unterstützern in Moskau und Peking schaden würde. Die USA und Israel betrachten zudem das irakische Kurdistan als wichtigen Stützpunkt für nachrichtendienstliche Operationen gegen Iran und als strategisches Bindeglied zwischen dem NATO-Mitglied Türkei und dem Nahen Osten.

Rückkehr westlicher Ölkonzerne in den Irak

Mit den neuen Sanktionen haben westliche Unternehmen begonnen, ihre Präsenz in der für den Irak lebenswichtigen Öl- und Gasinfrastruktur wieder auszubauen. Das französische Unternehmen TotalEnergies leitet eine 27-Milliarden-Dollar-Initiative, zu der das Common Seawater Supply Project gehört – ein entscheidendes Vorhaben, das dem Irak ermöglichen könnte, die Ölförderung auf 12 Millionen Barrel pro Tag zu steigern, sofern es richtig umgesetzt wird. Unterdessen hat BP eine Vereinbarung über 25 Milliarden Dollar für fünf Felder im Norden des Landes abgeschlossen, die dazu beitragen könnte, die Bemühungen Russlands und Chinas zu kontern, Kurdistan stärker unter Bagdads Kontrolle zu bringen. Chevrons Engagement bei der Erschließung wichtiger Felder wie West Qurna 2 bringt die Interessen des Irak weiter in Einklang mit denen des Westens. Das Feld West Qurna 2, dessen rückgewinnbare Reserven auf 13 Milliarden Barrel geschätzt werden und das einige der weltweit niedrigsten Förderkosten aufweist, sollte ursprünglich 1,8 Millionen Barrel pro Tag erreichen, später wurde das Ziel auf einen Höchstwert von 1,2 Millionen revidiert. Das Nasiriyah-Projekt hatte als Ausgangsziel 600.000 Barrel pro Tag. Setzt der Irak diesen Kurs fort, könnte die lange erwartete Neuausrichtung auf den Westen endlich bevorstehen – diesmal mit einer Dynamik, die für Moskau, Peking oder Teheran schwer umzukehren sein dürfte.

Von Simon Watkins für Oilprice.com

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Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.

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