Das Wichtigste für Sie in Kürze:
• Die USA stehen kurz davor, ein umfassendes Krypto Marktstrukturgesetz zu verabschieden
• Analysten sehen das aktuelle Zeitfenster als historisch und einmalig
• Der neue, überparteiliche Gesetzesentwurf bringt erstmals klare Regeln für digitale Assets
• Regulatorische Unsicherheit soll durch klare Zuständigkeiten und Definitionen beendet werden
• Größter Streitpunkt sind Stablecoins mit renditeähnlichen Erträgen
• Banken fürchten massive Abflüsse von Kundeneinlagen
• Politik steht vor dem Balanceakt zwischen Innovation und Finanzstabilität
• Institutionelle Investoren warten auf Rechtssicherheit für großes Kapital
Der US Kryptomarkt erlebt einen der entscheidenden Momente seiner noch jungen Geschichte. Was sich momentan in Washington entwickelt, ist mehr als nur ein weiteres regulatorisches Detail oder eine politische Debatte unter vielen. Es handelt sich um die fundamentale Marktstruktur digitaler Vermögenswerte in der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Analysten von Bernstein treffen den Nagel auf den Kopf, wenn sie von einem „Here and Now“ Zeitfenster sprechen. Es ist selten, dass wir die Chance haben, ein umfassendes Krypto Marktstrukturgesetz zu verabschieden, aber jetzt ist es so real wie nie. Doch genau in diesem Augenblick ist die Situation extrem fragil.
Ein Gesetz, das weltweit als Vorbild dient
Die USA sind mehr als nur ein Markt. Dort getroffene Entscheidungen beeinflussen die ganze Welt. Selbst wenn sie nicht direkt betroffen sind, richten sich viele internationale Finanzakteure nach den US Standards. Ein Marktstrukturgesetz von klarer Gestalt würde demnach weit über die Grenzen des Landes hinaus Einfluss nehmen. Das wäre ein großer Fortschritt für Krypto-Projekte, Börsen, Verwahrer, Emittenten von Stablecoins und institutionelle Investoren.
🇺🇸U.S. CRYPTO BILL DECISION WINDOW IS “HERE AND NOW”
Bernstein says the chance to pass the U.S. crypto market structure bill is „here and now“, but a standoff over stablecoin rewards could derail it, as banks push back against yield-like returns. pic.twitter.com/CR2lVjH632
— Coin Bureau (@coinbureau) January 12, 2026
Der US-Markt war bisher von regulatorischer Unsicherheit geprägt. Verschiedene Behörden beanspruchten Zuständigkeiten, und Regeln wurden teils durch Durchsetzung anstatt durch Gesetzgebung definiert. Das Resultat war ein vorsichtiger Umgang, wodurch Innovationen oft ins Ausland gingen. Genau an diesem Punkt setzt der aktuelle Gesetzesentwurf an.
Der US-Senatsentwurf im Detail
Die Situation hat sich konkretisiert, seit der Vorsitzende des Senate Banking Committee, Tim Scott, einen neuen, überparteilichen Gesetzesentwurf veröffentlicht hat. Erstmals nach monatelangen intensiven Verhandlungen gibt es einen umfassenden Entwurf, der digitale Assets klar definieren soll. Das umfasst unter anderem die Unterscheidung zwischen Wertpapieren und Waren, die Zuständigkeiten der Aufsichtsbehörden sowie Vorschriften für Handelsplätze, Verwahrung und Emissionen.
🇺🇸 JUST IN: U.S. SENATE UNVEILS DRAFT CRYPTO MARKET STRUCTURE BILL
Senate Banking Committee Chair Tim Scott has released the bipartisan bill text after months of negotiations.
The initial draft is now public, with a markup scheduled later this month.
A major step… https://t.co/qMB9SfJOLy pic.twitter.com/BtKKDMzQyd
— CryptosRus (@CryptosR_Us) January 13, 2026
Ein besonders hervorzuhebendes Merkmal ist, dass der Entwurf überparteilich ist. In einer politischen Landschaft, die stark polarisiert ist, ist das alles andere als selbstverständlich. Dieser Konsens ist genau das, was die Chancen verbessert, dass das Gesetz nicht nur eingebracht, sondern auch wirklich verabschiedet wird. Die angekündigte Markup-Phase noch in diesem Monat beweist, dass es sich nicht nur um ein symbolisches Papier handelt, sondern um einen echten legislativen Prozess.
Der Grund, warum Bernstein von einem „Jetzt oder Nie“ spricht?
Die Analysten von Bernstein sind der Meinung, dass das aktuelle politische Umfeld außergewöhnlich günstig ist. Es spielen mehrere Aspekte zusammen. Einerseits steigt der wirtschaftliche Druck, regulatorische Klarheit zu schaffen, weil institutionelle Akteure immer mehr Engagements im Kryptobereich aufbauen wollen. Ebenfalls hat sich die öffentliche Wahrnehmung von Krypto gewandelt. Man sieht digitale Assets nicht mehr nur als spekulatives Randphänomen, sondern als Bestandteil der zukünftigen Finanzinfrastruktur.
Es kommt auch der politische Zeitfaktor hinzu. Wahlzyklen, Machtverschiebungen und die Prioritäten in Washington können sich rasch ändern. Ein offenes regulatorisches Fenster kann sich ebenso schnell wieder schließen. Aus diesem Grund hebt Bernstein hervor, dass man die Gelegenheit jetzt nutzen sollte.
Der große Streitpunkt… Stablecoins und Erträge
Obwohl es ein positives Momentum gibt, könnte ein zentraler Konflikt den gesamten Prozess gefährden. Es handelt sich um Stablecoins, vor allem um Modelle, die Nutzern renditeähnliche Erträge versprechen. An genau dieser Stelle läuten die Alarmglocken für herkömmliche Banken.
Die Sorge der Banken ist, dass verzinsliche Stablecoins massive Einlagenabflüsse verursachen könnten. Es wird geschätzt, dass in den USA Einlagen in Billionenhöhe betroffen sind. Das Geschäftsmodell von Banken basiert auf Einlagen, weil sie diese für Kredite und Investitionen verwenden. Ein Abfluss würde das gesamte Finanzsystem transformieren.
Deshalb übt die Bankenlobby erheblichen Druck auf Politiker aus, um diese Arten von Stablecoins streng zu regulieren oder sogar einzuschränken. Aufgrund dieses Widerstands könnte es passieren, dass der Gesetzesentwurf verwässert oder verzögert wird. An dieser Stelle wird entschieden, ob der Fokus auf Innovation oder auf Bestandsschutz gelegt wird.
Ein Drahtseilakt zwischen Neuerung und Finanzstabilität
Politisch betrachtet ist die Lage kompliziert. Einerseits möchte man die Innovation vorantreiben und den USA eine Spitzenposition im digitalen Finanzsystem sichern. Auf der anderen Seite gibt es die Besorgnis, unkontrollierte Risiken zuzulassen. Im Fokus stehen Stablecoins, da sie die Verbindung zwischen der Krypto-Welt und dem traditionellen Finanzsystem schaffen.
Der aktuelle Entwurf versucht, diesen Balanceakt zu bewältigen. Er erkennt Stablecoins als wichtigen Bestandteil des Ökosystems an, fordert jedoch klare Transparenz, Reserveanforderungen und Aufsicht. Ob dieser Ansatz ausreicht, um Innovation und Stabilität zu gewährleisten, wird sich in den kommenden Verhandlungen herausstellen.
Relevanz für Institutionen und Märkte
Regulatorische Klarheit ist der entscheidende Faktor für institutionelle Investoren. Viele große Kapitalverwalter, Banken und Unternehmen haben bereits ihre technische und strategische Vorbereitung abgeschlossen. Es mangelt an Rechtssicherheit. Ein verabschiedetes Marktstrukturgesetz könnte neue Produkte, Investitionen und Partnerschaften in Wellen auslösen.
ETFs, tokenisierte Wertpapiere, Onchain-Abwicklung und innovative Zahlungsmodelle würden durch klare Regeln profitieren. Zur selben Zeit könnten US-Börsen und Plattformen ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Standorten zurückerlangen.
Falls das Gesetz scheitert oder auf unbestimmte Zeit verschoben wird, wären die Folgen erheblich. Es bliebe die regulatorische Unsicherheit, Innovationen würden weiterhin ins Ausland abwandern und die USA könnten ihre Führungsposition im digitalen Finanzsektor verlieren. Das wäre für den Markt ein eindeutiges negatives Zeichen.
