In Washington D.C., Oktober 2025, verschärft sich eine entscheidende Debatte über die Regulierung von Kryptowährungen, während Ripple-CEO Brad Garlinghouse sich für das umstrittene CLARITY-Gesetz einsetzt und erklärt, dass fehlerhafte Gesetzgebung eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem aktuellen regulatorischen Chaos darstellt, das den Markt für digitale Vermögenswerte lähmt. Seine Haltung verursacht eine deutliche Spaltung innerhalb der Branche: Befürworter fordern sofortige rechtliche Klarheit, Kritiker befürchten, dass bestimmte Bestimmungen des Gesetzes Innovationen behindern könnten. Diese gesetzgeberische Auseinandersetzung findet vor dem Hintergrund eines zunehmenden globalen Wettbewerbs statt, da Rechtsräume wie die Europäische Union und Singapur bereits umfassende Krypto-Rahmenwerke eingeführt haben. Die Vereinigten Staaten stehen daher unter wachsendem Druck, ihre regulatorische Position festzulegen. Das Ergebnis wird die operative Landschaft für Blockchain-Unternehmen, Investoren und Entwickler im ganzen Land maßgeblich prägen.
Ripple-CEO setzt sich für regulatorische Klarheit statt Perfektion ein
Brad Garlinghouse, Geschäftsführer von Ripple Labs, äußerte kürzlich eine pragmatische Position zum vorgeschlagenen Gesetz zur Strukturierung des Kryptomarktes, das offiziell als CLARITY Act bezeichnet wird. In einem Interview, das von CryptoBasic aufgegriffen wurde, betonte Garlinghouse, dass der Branche vor allem eines fehle: eindeutige Regeln. Er argumentierte, dass vorhersehbare, wenn auch nicht perfekte Leitlinien Unternehmen ermöglichen, mit Vertrauen zu planen, zu investieren und zu operieren. Im Gegensatz dazu schaffe das derzeitige Umfeld aus regulatorischer Unklarheit und durch Klagen durchgesetzter Regulierung das, was er als „Marktchaos“ bezeichnete. Diese Unsicherheit treibe Talente und Kapital in besser definierte Rechtsräume im Ausland. Garlinghouses Aussagen spiegeln eine breite Müdigkeit der Branche gegenüber der aktuellen Herangehensweise der Securities and Exchange Commission (SEC) wider, die viele Unternehmen als konfrontativ empfinden. Sein Aufruf richtet sich an Krypto-Akteure, sich konstruktiv mit Gesetzgebern auseinanderzusetzen, um das Gesetz zu verfeinern, statt es kategorisch abzulehnen. Diese auf Engagement ausgerichtete Strategie zielt darauf ab, eine tragfähige Grundlage für künftige Anpassungen zu schaffen.
Die hohen Kosten regulatorischer Unsicherheit
Der Vorstoß für das CLARITY Act ist das Ergebnis jahrelanger regulatorischer Verwirrung. Seit der Entstehung bedeutender Kryptowährungen navigieren US-Unternehmen durch ein komplexes Netz von Vorgaben mehrerer Behörden, darunter die SEC und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Das Fehlen klarer Zuständigkeitsgrenzen hat zu prominenten Rechtsstreitigkeiten geführt, wie etwa dem Verfahren der SEC gegen Ripple im Zusammenhang mit XRP. Ein Bericht der Chamber of Digital Commerce aus dem Jahr 2024 schätzte, dass regulatorische Unsicherheit seit 2020 Investitionen im Wert von über 120 Milliarden US-Dollar in den US-Blockchain-Sektor verhindert hat. Darüber hinaus erschwert diese Unklarheit Bankbeziehungen, hemmt die Einführung neuer Produkte und sorgt bei etablierten Unternehmen für immense Compliance-Probleme. Garlinghouses Unterstützung für das Gesetz resultiert aus diesen realen geschäftlichen Auswirkungen und positioniert das CLARITY Act als notwendigen ersten Schritt in Richtung Stabilität, selbst wenn seine ursprüngliche Fassung durch den Gesetzgebungsprozess noch überarbeitet werden muss.
Das CLARITY Act im Detail: Zentrale Bestimmungen und Spaltung der Branche
Das CLARITY Act ist ein Kongressvorhaben, das eine umfassende regulatorische Struktur für digitale Vermögenswerte schaffen soll. Im Mittelpunkt stehen die Abgrenzung der Zuständigkeiten von SEC und CFTC, die Festlegung klarer Kriterien, wann ein digitaler Vermögenswert als Wertpapier oder als Rohstoff gilt, und die Einführung von Registrierungswegen für Handelsplattformen. Doch steckt der Teufel im Detail: Bestimmte Klauseln haben heftige Debatten ausgelöst. Befürworter heben hervor, dass das Gesetz endlich Rechtsklarheit schaffen will. Kritiker hingegen verweisen auf mehrere strittige Punkte, die unbeabsichtigt dem Ökosystem schaden könnten, das das Gesetz eigentlich fördern will. Die folgende Tabelle fasst die zentralen Ziele und Hauptkritikpunkte zusammen:
| Abgrenzung der Zuständigkeit von SEC/CFTC | Beseitigt Überschneidungen und klärt, welche Behörde für welche Vermögenswerte zuständig ist. | Könnte die Autorität der CFTC schwächen und deren Aufsichtsfunktion einschränken. |
| Schaffung von Registrierungswegen | Ermöglicht Börsen den legalen Betrieb unter bundesstaatlicher Aufsicht. | Das Verfahren könnte für kleine, innovative Start-ups zu belastend sein. |
| Regelung tokenisierter Wertpapiere | Schafft Klarheit für eine komplexe, neue Anlageklasse. | Die aktuelle Formulierung könnte als faktisches Verbot bestimmter Modelle ausgelegt werden. |
| Regulierung von DeFi & Datenzugang | Zielt darauf ab, illegale Finanzierungen zu verhindern und Transparenz zu fördern. | Könnte unbeabsichtigt dezentrale Finanzprotokolle blockieren und unbegrenzte Datensammlung erlauben. |
| Aufsicht über Stablecoins | Stellt einen bundesweiten Rahmen für Zahlungs-Stablecoins bereit. | Könnte Belohnungsfunktionen verbieten, was Nutzen und Akzeptanz beeinträchtigt. |
Diese Spaltung verdeutlicht, wie schwierig es für Gesetzgeber ist, Innovation zu fördern und zugleich Verbraucherschutz sowie finanzielle Integrität zu gewährleisten. Die weitere Entwicklung des Gesetzes im Ausschuss dürfte erhebliche Änderungen mit sich bringen, um diese konträren Positionen zu berücksichtigen.
Coinbase zieht Unterstützung zurück: Ausführliche Darstellung der Einwände
Im deutlichen Gegensatz zur Haltung von Ripple hat Coinbase, die größte US-Kryptobörse, ihre Unterstützung für das CLARITY Act öffentlich zurückgezogen. Das Policy-Team des Unternehmens veröffentlichte eine detaillierte Analyse, in der mehrere grundlegende Mängel aufgeführt werden, die den aktuellen Entwurf für nicht tragbar halten. Die Einwände von Coinbase richten sich nicht gegen Regulierung an sich, sondern gegen die Architektur dieses konkreten Vorschlags. Im Mittelpunkt stehen substanzielle Bedenken hinsichtlich der langfristigen Gesundheit der Krypto-Ökonomie. Erstens argumentiert Coinbase, dass die Regelung tokenisierter Wertpapiere einem faktischen Verbot gleichkommen und damit verhindern könnte, dass traditionelle Vermögenswerte wie Aktien oder Anleihen auf Blockchains abgebildet werden. Zweitens warnen sie, dass die Bestimmungen zu DeFi zu weit gefasst sein und Open-Source-Software verbieten könnten, während sie Regulierungsbehörden einen umfassenden Zugriff auf Finanzdaten der Nutzer gewähren. Drittens sieht Coinbase in dem Gesetz eine Verschiebung des Machtgleichgewichts zwischen SEC und CFTC, die zu einer übermäßigen Zentralisierung bei der SEC führen könnte. Schließlich lehnt das Unternehmen eine Klausel ab, die Belohnungs- oder Renditefunktionen bei Stablecoins untersagen könnte – Funktionen, die als entscheidend für den Nutzen der Nutzer angesehen werden. Der Rückzug dieses wichtigen Branchenakteurs erschwert den politischen Weg des Gesetzes erheblich und verdeutlicht den fehlenden Konsens.
Die strategische Dissonanz zwischen Ripple und Coinbase
Die gegensätzlichen Positionen von Ripple und Coinbase offenbaren eine strategische Dissonanz, die auf ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Geschäftsmodellen basiert. Ripple, das einen mehrjährigen Rechtsstreit mit der SEC hinter sich hat, misst jedem Gesetzgebungsakt, der Klarheit hinsichtlich der Zuständigkeit schafft und die Zeit der Regulierung durch Durchsetzung beendet, allerhöchsten Wert bei. Für Garlinghouse wiegt die Unvollkommenheit des Gesetzestextes weniger schwer als die Kosten weiterer rechtlicher Unsicherheit. Coinbase hingegen, das ebenfalls in einen Rechtsstreit mit der SEC verwickelt ist, betreibt eine große, diversifizierte globale Börse. Ihre Ablehnung beruht auf einer zukunftsorientierten Analyse, nach der bestimmte Bestimmungen das technologische Potenzial der Blockchain in den USA – insbesondere in Bereichen wie DeFi und Tokenisierung – dauerhaft begrenzen könnten. Diese strategische Spaltung spiegelt sich in der gesamten Branche wider: Einige Start-ups stellen sich auf Ripples Standpunkt „besser etwas als nichts“, während andere Innovatoren Coinbases Sorge vor einem regulatorischen Korsett teilen. Die Debatte dreht sich letztlich darum, ob man ein grundlegendes Gesetz mit bekannten Problemen akzeptiert oder auf eine idealere, aber womöglich unerreichbare Version wartet.
Der globale Kontext: Wie Untätigkeit der USA das Wachstum im Ausland befeuert
Die langwierige US-Regulierungsdebatte findet in einem internationalen Wettbewerbsumfeld statt. Andere große Wirtschaftsräume haben bereits entschlossen Krypto-Rahmenwerke geschaffen und dadurch Investitionen und Talente angezogen. Die Verordnung „Markets in Crypto-Assets“ (MiCA) der Europäischen Union, die 2024 vollständig umgesetzt wurde, bietet dem 27-Staaten-Block ein umfassendes Regelwerk. Auch das Vereinigte Königreich, Singapur und die Schweiz haben klare Lizenzierungsregime geschaffen. Daten des Blockchain-Analyseunternehmens Chainalysis zeigen seit 2023 eine messbare Verlagerung von Risikokapital und Entwickleraktivitäten in diese Rechtsräume. Dieses globale Rennen unterstreicht die Dringlichkeit von Garlinghouses Argument. Anhaltende US-Unentschlossenheit, so seine Sicht, ist kein neutraler Zustand – sie bedeutet den aktiven Verzicht auf Führung in einer Schlüsseltechnologie. Das CLARITY Act ist aus dieser Perspektive ein Instrument, mit dem die USA wieder in den Wettbewerb einsteigen können, auch wenn der erste Schritt nicht perfekt ist. Die Befürworter des Gesetzes hoffen auf spätere Änderungen, sind aber überzeugt, dass jetzt der Startschuss fallen muss, um einen weiteren Niedergang der heimischen Industrie zu verhindern.
Fazit
Die Debatte um das CLARITY Act, geprägt von der Unterstützung durch Ripple-CEO Brad Garlinghouse und der Ablehnung durch Coinbase, spiegelt die komplexe Entwicklung der Krypto-Branche auf dem Weg zur Reife wider. Garlinghouses Hauptargument – dass unvollkommene Gesetzgebung besser sei als anhaltendes Marktchaos – findet bei vielen Unternehmen Anklang, die von regulatorischer Unsicherheit erschöpft sind. Die detaillierten Einwände von Coinbase machen jedoch das reale Risiko deutlich, dass schlecht gemachte Regeln Innovationen in zentralen Bereichen wie DeFi und Tokenisierung abwürgen könnten. Der weitere Weg erfordert nuancierte Verhandlungen, in denen Gesetzgeber den unmittelbaren Bedarf an Klarheit mit dem langfristigen Ziel eines dynamischen, wettbewerbsfähigen Ökosystems für digitale Vermögenswerte ausbalancieren müssen. Das Ergebnis wird nicht nur das regulatorische Umfeld für den Ripple-CEO und seine Branchenkollegen bestimmen, sondern auch ein Signal dafür setzen, ob die USA in der nächsten Evolutionsstufe der globalen Finanzwelt führen oder folgen werden.
FAQs
Frage 1: Was ist das CLARITY Act?
Das CLARITY Act ist ein vorgeschlagenes US-Gesetz, das einen umfassenden Regulierungsrahmen für Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte schaffen soll. Ziel ist es, die Rollen von SEC und CFTC zu definieren, Registrierungssysteme für Börsen einzuführen und rechtliche Klarheit für Marktteilnehmer zu schaffen.
Frage 2: Warum unterstützt der Ripple-CEO das Gesetz trotz seiner Mängel?
Brad Garlinghouse ist der Ansicht, dass das derzeitige regulatorische Umfeld durch Unsicherheit und Durchsetzungsmaßnahmen „Marktchaos“ verursacht. Er argumentiert, dass selbst ein unvollkommenes Gesetz eine stabile Grundlage für Unternehmen bietet und im Laufe der Zeit verbessert werden kann, was besser als der Status quo ist.
Frage 3: Was sind die wichtigsten Einwände von Coinbase gegen das CLARITY Act?
Coinbase nennt mehrere Bedenken: ein mögliches faktisches Verbot tokenisierter Wertpapiere, zu weitgehende Einschränkungen, die DeFi schaden könnten, eine Machtverschiebung von der CFTC zur SEC und potenzielle Verbote von Funktionen wie Stablecoin-Belohnungen.
Frage 4: Wie schneidet die US-Krypto-Regulierung im internationalen Vergleich ab?
Zahlreiche andere Rechtsräume, darunter die Europäische Union, das Vereinigte Königreich und Singapur, haben bereits umfassende Krypto-Regulierungen umgesetzt. Dies hat dazu geführt, dass einige Unternehmen und Investoren ihre Aktivitäten in diese klareren regulatorischen Umfelder verlagert haben, was den Druck auf die USA erhöht.
Frage 5: Was passiert, wenn das CLARITY Act nicht verabschiedet wird?
Ohne neue Gesetzgebung wird der aktuelle Zustand regulatorischer Unklarheit und Durchsetzung durch die Behörden (insbesondere die SEC) voraussichtlich fortbestehen. Dies könnte zu weiteren Rechtsstreitigkeiten, anhaltender Unsicherheit für Unternehmen und einem möglichen weiteren Abfluss von Innovation und Investitionen im Kryptobereich aus den Vereinigten Staaten führen.


