Kurz zusammengefasst
- Gmails neues „AI Inbox“ nutzt Gemini 3, um Nachrichten zu priorisieren und Zusammenfassungen anzuzeigen, statt eines einfachen chronologischen Feeds.
- Schreib- und Kreativtools werden erweitert: KI-gestütztes Verfassen steht nun allen Nutzern zur Verfügung, zudem ermöglicht Workspace schnelle Bildgenerierung.
- Google betont Datenschutzmaßnahmen, da die tiefere KI-Integration Bedenken hinsichtlich der Nutzung persönlicher Postfachdaten aufwirft.
Google hat heute eine umfassende Überarbeitung seines Flaggschiff-E-Mail-Dienstes vorgestellt und integriert dabei sein fortschrittlichstes KI-Modell, Gemini 3, direkt in Gmail.
Dieser Schritt stellt Googles bisher entschlossensten Versuch dar, das Postfach von einem passiven Nachrichtenarchiv in einen aktiven persönlichen Assistenten zu verwandeln und verschärft damit die Rivalität mit OpenAI und Microsoft.
Die Neuerungen, die gemeinsam mit weiteren Features für die Gemini-App angekündigt wurden, nutzen das neueste Large Language Model des Unternehmens, um tägliche Aufgaben zu automatisieren, Kommunikation nach Prioritäten zu sortieren und kreative visuelle Inhalte zu generieren.
Das KI-gestützte Postfach
Im Mittelpunkt des Updates steht eine neugestaltete Gmail-Oberfläche, die von Gemini 3, dem von Google Ende letzten Jahres vorgestellten Modell der nächsten Generation, angetrieben wird. Die neue „AI Inbox“-Ansicht, die ab heute verfügbar ist, weicht von der traditionellen chronologischen Liste ab. Stattdessen werden E-Mails mithilfe von On-Device-Verarbeitung in Prioritätsgruppen organisiert und es wird eine „Catch me up“-Zusammenfassung aktueller Aktivitäten wie Versandbenachrichtigungen, Terminerinnerungen und Kaufbelege angeboten.
„Damit liefern wir, dass Gmail proaktiv für euch da ist“, sagte Blake Barnes, Produkt-Vizepräsident bei Google, am Donnerstag in einer Stellungnahme.
Das Unternehmen stellt das Update als Schritt hin zu einem „Denkpartner“ dar, der in der Lage ist, komplexe Fragen zum digitalen Leben eines Nutzers zu beantworten, wie etwa „Wann landet mein Flug?“ – und das alles, ohne dass manuell gesucht werden muss.
Das Update erweitert auch das Tool „Help Me Write“. Bisher war diese KI-gestützte Entwurfsfunktion ein Premium-Feature, jetzt wird sie für alle Nutzer bereitgestellt und bietet verbesserte Tonalitätsanpassung, sodass die Software den persönlichen Schreibstil der Nutzer noch genauer nachahmen kann.
Der Rollout begann am Donnerstag für Nutzer in den Vereinigten Staaten. Während
einige
Funktionen (wie Zusammenfassungen von E-Mail-Konversationen und „Help Me Write“) für alle kostenlos verfügbar sind, sind die leistungsstärksten „Assistant“-Funktionen – insbesondere die Möglichkeit, Fragen über das gesamte Postfach hinweg zu stellen (z. B. „Welche Schuhgröße habe ich bestellt?“) – derzeit auf zahlende Abonnenten von Google AI Pro oder Ultra beschränkt. Die neue „AI Inbox“-Ansicht (die Mails nach Priorität sortiert) steht weiterhin nur einer Gruppe von „vertrauenswürdigen Testern“ zur Verfügung und nicht der breiten Öffentlichkeit.
Gmail hält etwa 30 % des weltweiten Marktanteils von E-Mail-Clients und liegt damit meist auf Platz zwei hinter Apple Mail – das vor allem deshalb einen höheren Anteil hat, weil es als Standard-App auf iPhones genutzt wird, oft auch für den Zugriff auf Gmail-Konten. Laut den meisten Branchenberichten und Daten liegt die Nutzerbasis stabil bei rund 1,8 Milliarden, einige neuere Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass 2025–2026 die 2-Milliarden-Marke überschritten wird.
‘Nano Banana’ und kreative Tools
Über die Produktivität hinaus treibt Google seine Fähigkeiten im Bereich kreativer Medien voran.Die Ankündigung hob die Integration seines effizienten Bildgenerierungsmodells, Codename "Nano Banana" (offiziell Gemini 2.5 Flash Image), in das breitere Gemini-Ökosystem hervor.
Das Modell, das erstmals Ende 2025 vorgestellt wurde, ist für schnelle Bildgenerierung und -bearbeitung direkt auf dem Gerät konzipiert. Google bestätigte heute, dass die „Pro“-Variante des Modells nun für Unternehmenskunden verfügbar ist und neue Kreativtools in Google Workspace sowie der Gemini Mobile App antreibt, sodass Nutzer Bilder mit natürlichen Sprachbefehlen erstellen oder remixen können.
Datenschutz und Marktbedeutung
Die Einführung erfolgt, während Google mit einer verschärften Konkurrenz konfrontiert ist. Der Start von Gemini 3 und dessen Integration in Kernprodukte wie Gmail und Search hat Wettbewerber wie OpenAI dazu veranlasst, ihre eigenen Fahrpläne zu beschleunigen.
Die tiefe Integration von KI in persönliche E-Mails wirft jedoch weiterhin Datenschutzfragen auf. Google betonte am Donnerstag, dass Gemini 3 zwar Postfachdaten verarbeitet, um Zusammenfassungen und Antworten zu liefern, diese Daten jedoch innerhalb einer sicheren „Engineering Privacy“-Barriere verbleiben. Das Unternehmen erklärte ausdrücklich, dass Inhalte aus diesen persönlichen Workspace-Tools nicht für das Training öffentlicher KI-Modelle verwendet werden.
Um Datenschutzbedenken weiter zu begegnen, wies Google zudem auf den breiten Rollout von „Temporary Chat“ in der Gemini-App hin. Ähnlich wie ein „Inkognito-Modus“ ermöglicht diese Funktion Nutzern, einmalige KI-Konversationen zu führen, die nicht im Verlauf gespeichert oder für das Modelltraining verwendet werden – ein Feature für Nutzer, die sich Sorgen um die Nachverfolgbarkeit ihrer Daten machen.