Selbst wenn es um Technologie geht, ist Europa derzeit der Ort, an dem man sein sollte.
Europäische Technologieaktien übertreffen US-Pendants deutlich
Europäische Aktien haben in diesem Jahr ihre US-Rivalen unerwartet übertroffen, wobei Technologieunternehmen die Führung übernommen haben.
Im Januar erzielte der Technologiesektor innerhalb des Stoxx Europe 600 Index einen bemerkenswerten Gewinn von 10 % und ist damit die leistungsstärkste Gruppe. Dies steht in starkem Kontrast zu den USA, wo der S&P 500 Information Technology Index weitgehend unverändert blieb.
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Hersteller von Chipanlagen treiben europäische Tech-Rallye an
Der Haupttreiber für die starke Performance europäischer Technologieaktien ist ihr hoher Anteil an Herstellern von Halbleiteranlagen. Unternehmen wie ASML Holding NV, ASM International NV und BE Semiconductor Industries NV machen zusammen fast 40 % des Stoxx 600 Technology Index aus und haben seit Jahresbeginn fast 90 % der Gewinne des Sektors beigesteuert.
Positiver Ausblick von TSMC stärkt den Sektor
Diese Woche veröffentlichte Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) eine optimistische Prognose für Investitionsausgaben und signalisiert damit einen starken Ausblick für ihre Zulieferer. Der weltweit größte Auftragsfertiger für Chips plant, seine Investitionen im Jahr 2026 um etwa 30 % zu erhöhen und Expansionsprojekte in Taiwan und den Vereinigten Staaten zu beschleunigen. TSMC erwartet außerdem in den nächsten drei Jahren einen deutlichen Anstieg der Investitionen.
Laut Citigroup-Analyst Andrew Gardiner ist die Ankündigung von TSMC ein bedeutender positiver Impuls für europäische Ausrüster der Chipindustrie. Er prognostiziert, dass die starke Nachfrage nach Halbleiterfertigungsanlagen auch über dieses Jahr hinaus anhalten wird, da neue Produktionsstätten in Betrieb genommen werden und mehr Fertigungsfläche zur Verfügung steht.
Morgan Stanley hat kürzlich das Kursziel für ASML auf 1.400 € angehoben – eines der höchsten unter den Analysten an der Wall Street – und begründet dies mit Erwartungen eines starken Auftragswachstums in den kommenden Quartalen sowie einer anhaltenden Expansion bis 2027.
Wendepunkt für europäische Hersteller von Chipanlagen
Die führenden europäischen Hersteller von Chipanlagen erleben eine deutliche Erholung. Nachdem sie während des ersten Booms im Bereich künstliche Intelligenz (AI) Anfang 2023 hinter dem Philadelphia Semiconductor Index zurückblieben – als Anleger Chip-Hersteller bevorzugten, die direkt vom AI-Fortschritt profitierten – holen diese Unternehmen nun wieder auf.
Die Marktstimmung begann sich gegen Ende des vergangenen Jahres zu ändern, als die Nachfrage nach AI-Chips zunahm und sowohl Logik- als auch Speicherchiphersteller in zusätzliche Fertigungsanlagen investierten. Im Dezember kündigte Micron Technology Inc. Pläne an, die Produktionskapazitäten rasch auszubauen.
Trotz deutlicher Anzeichen für eine starke Nachfrage nach AI-Chips, etwa durch steigende Speicherpreise, blieb eine gewisse Skepsis bestehen – zum einen wegen begrenztem Platz für neue Anlagen, zum anderen wegen bereits hoher Aktienkurse wichtiger niederländischer Unternehmen. Die jüngste Prognose von TSMC hat diese Bedenken jedoch zerstreut.
TSMC-Prognose sorgt für weiteren Optimismus
Die ambitionierten Investitionspläne von TSMC übertreffen die Erwartungen des Marktes und führen zu Spekulationen, dass andere Chiphersteller – darunter Intel und große Speicherproduzenten – ihre Investitionsziele ebenfalls erhöhen könnten. Ken Hui vom Bakewell Alpha Fund ist der Ansicht, dass die Rallye der Chipanlagen-Aktien noch nicht vorbei ist, da AI-bezogene Fertigung eine höhere Kapitalintensität erfordert.
Obwohl der jüngste Kurssprung die Bewertungen nach oben getrieben hat – ASML wird nun mit dem 42-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt und liegt damit über dem Zehnjahresdurchschnitt – argumentieren optimistische Investoren, dass diese Multiplikatoren gerechtfertigt sein könnten, wenn die Gewinnerwartungen im Einklang mit steigenden Ausgaben weiter zunehmen.
Insgesamt bleibt die Bewertung des Sektors vergleichbar mit US-Pendants, wobei der Stoxx 600 Technology Index mit etwa dem 26-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt wird. Obwohl dies einen deutlichen Aufschlag gegenüber dem breiteren europäischen Markt darstellt, wurden in der Vergangenheit sogar noch höhere Multiplikatoren erzielt.
Breitere Zugewinne im europäischen Technologiesektor
Die Rallye beschränkt sich nicht auf die Ausrüster. Traditionelle Chiphersteller wie Infineon Technologies AG und STMicroelectronics NV, die in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten hatten, verzeichneten Anfang 2026 einen Anstieg um etwa 10 %, da die Nachfrage nach Automobil- und Industriesemiconductors wieder anzieht.
Niedrigere Gewinnerwartungen für Infineon im Jahr 2026 lassen Raum für positive Überraschungen, insbesondere nachdem das US-Unternehmen Microchip Technology Inc. kürzlich Ergebnisse vorlegte, die die Hoffnung auf eine zyklische Erholung untermauern.
Die Strategen von JPMorgan unter der Leitung von Mislav Matejka bleiben für den Halbleitersektor optimistisch und weisen darauf hin, dass sich die Chancen nicht nur auf AI-orientierte Unternehmen wie ASML beschränken, sondern auch traditionelle zyklische Namen wie Infineon umfassen, die mit dem Automobil- und Konsummarkt verbunden sind.
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